Linienrichter zu Tode geprĂŒgelt

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Linienrichter zu Tode geprĂŒgelt

Beitragvon Hernando » 04 Dez 2012, 21:10

In solchen Momenten weiß ich wieder ganz genau, warum Fußball nichts ist, womit ich mich identifizieren kann oder will.
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Re: Linienrichter zu Tode geprĂŒgelt

Beitragvon Tomcat » 04 Dez 2012, 21:19

Hm, glaub nicht, dass das jetzt besonders viel mit Fußball zu tun hat. Heutzutage werden ja auch Leute auf Bahnsteigen oder sonstwo ohne Grund zu Tode geprĂŒgelt.
Wer etwas will, findet Wege. Wer etwas nicht will, findet GrĂŒnde.
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Re: Linienrichter zu Tode geprĂŒgelt

Beitragvon Dr_Frottee » 05 Dez 2012, 19:43

Gleiches Spiel wie immer: Die Presse veröffentlich das, was als Schlagzeile eine große Auflage garantiert. Und große Auflagen bzw. großen Absatz generiert man nicht mit normalen, alltĂ€glichen Inhalten, sondern mit krassen Inhalten. und bei krassen Inhalten erzeugen die negativ-krassen Inhalte i.d.R. eine grĂ¶ĂŸere Auflage als die positiv-krassen. Wahrscheinlich, weil die negativ-krassen auf einer "Krassheitsskala" krasser sind als die positiv-krassen.

Will sagen: Wenn ein Linienrichter von Jugendfußballern zu Tode geprĂŒgelt wird, oder ein S-Bahnfahrgast von Randalierern, oder ein Polizist von Hooligans, oder wenn Asylantenheime angezĂŒndet werden und darin jemand umkommt, dann ist das negativ-krass. Und zwar extrem. Was fĂ€llt Euch an positiv-krassen Dingen ein, die mit dieser Krassheit mithalten können? Mir fĂ€llt dazu in positiver Hinsicht (gefĂŒhlt, nicht rational) nichts ein.

Angenommen ein Kind fĂ€hrt Schlittschuh auf einem zugefrorenen See. Das Eis bricht auf breiter FlĂ€che, das Kind bricht ein. Ohne fremde Hilfe kommt es nicht aus dem Wasser -- wĂŒrde also sterben. Jetzt springt ein Erwachsener ins eiskalte Wasser und rettet das Kind.

Im Prinzip bzw. rational gesehen ist das die Umkehrung des Tötens: Ein sicher verlorenes Leben wird gerettet. Aber als krasser wird das TotprĂŒgeln gewertet.

Worauf ich hinaus will, ist Folgendes: Um eine möglichst große Auflage zu verkaufen / möglichst viele Menschen zu erreichen, mĂŒssen Schlagzeilen krass sein. Negativ krass. Krass ist aber nur etwas, was extrem ungewöhnlich ist. Was also passiert, ist, daß uns etwas extrem Ungewöhnliches/Seltenes prĂ€sentiert wird. Und das ĂŒber Tage hinweg. Und unser Hirn macht daraus aufgrund der nonstop ablaufenden "VerfĂŒgbarkeitsheuristik", daß das, was wir hĂ€ufig wahrnehmen, auch hĂ€ufig ist. Das, was hĂ€ngen bleibt, ist: Fußball ist gefĂ€hrlich und gewalttĂ€tig. Und das ist so schlicht und einfach falsch.

Und nein, ich bin kein Fußballfan. Ich sehe nur Parallelen. Zum Beispiel zu 9/11. Es waren 14 (?) MĂ€nner islamischen Glaubens. Und heute werden Muslime doch gefĂŒhlt fast flĂ€chendeckend als Islamisten oder Terroristen angesehen. Oder 1990: Einige hundert Rechtsradikale zĂŒndeten Asylantenheime an. Einige hundert von 80 Mio BundesbĂŒrgern. Und was waren die Überschriften in den auslĂ€ndischen Zeitungen? U.a.: "Deutschland auf dem Weg ins 4. Reich?"

So schlimm der Einzelfall ist, plĂ€diere ich dafĂŒr, die Relationen im Auge zu behalten. Ansonsten könnte man mit der gleichen BegrĂŒndung sagen: "Bodybuilding bzw. Krafttraining? Will ich nix mit zu tun haben. Die dopen doch alle, pumpen sich mit Drogen zu, haben nichts in der Birne, sind ZuhĂ€lter und Drogendealer und schlagen willkĂŒrlich ausgewĂ€hlte Menschen zusammen." ... denn dafĂŒr gibt es jeweils mehr als 3 Beispiele.

Aber von alledem mal ab: Ich verstehe nicht, wie Jugendliche ĂŒberhaupt auf so eine "Idee" kommen können und diese dann auch noch in die Tat umsetzen können?! Da muß doch unglaublich viel kaputt sein. Was hilft bei sowas? Wegsperren, um die Allgemeinheit zu schĂŒtzen? Arbeitslager mit tĂ€glich 8-12 Stunden harter, körperlicher Arbeit, um sie auszulasten und "zu brechen"? Und dann eine Therapie, um sie wieder zu sozialisieren? Was meint Ihr dazu?
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Re: Linienrichter zu Tode geprĂŒgelt

Beitragvon Hernando » 05 Dez 2012, 20:44

Obwohl ich Dir (Dr_Frottee) im Allgemeinen durchaus Recht gebe, sehe ich die Sache im Falle des Fußballs etwas anders. Vielleicht liegt es daran, dass mich Fußball ĂŒberhaupt nicht interessiert und nur selten ein Spiel ansehe - doch wenn ich eines sehe wird da i.d.R. munter gefoult, gerangelt, geschubst und sich ein paar Zentimerter vor den Schiri gestellt und dieser angebrĂŒllt, dass der Speichel meterweit fliegt. Auch die regelmĂ€ĂŸigen (von Dir angemahnten) negativen Schlagzeilen ĂŒber fanatische Fans und PrĂŒgeleien zeugen in meinen Augen nicht wirklich von wahrer Sportlichkeit - natĂŒrlich mag dies an der verzerrten Berichterstattung liegen, und der Großteil der Fans der gegnerischen Clubs liegen sich vielleicht nach beendetem Spiel eintrĂ€chtig in den Armen (was möglicherweise keine so großen Schlagzeilen liefern wĂŒrde).
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Re: Linienrichter zu Tode geprĂŒgelt

Beitragvon Dr_Frottee » 05 Dez 2012, 22:02

Wie gesagt: Ich bin auch kein Fan bzw. hab mit Fußball nichts am Hut. Ich beziehe mich da auf Zahlen, die ich letztens irgendwo gelesen habe (leider weiß ich nicht mehr wo), denen zufolge die polizeilich erfaßten Straftaten im VerhĂ€ltnis zur Zuschauerzahl deutlich unter 1% gelegen haben sollen.

Daß GewaltĂ€tigkeiten in anderen Sportarten und unter deren Zuschauern seltener sein mögen (je nach Sportart), steht auf einem anderen Blatt. Ich denke nur, daß man einfach aufpassen sollte mit Verallgemeinerungen, wenn "nur" 1% sich daneben benimmt. Nicht mehr und nicht weniger.

Und daß im jeweiligen Fall das Verbrechen aufgeklĂ€rt und geahndet werden soll/muß, ist klar. Ob hier allerdings 4 Wochen Jugendarrest mit Abenteuerurlaub zur "Resozialisierung" zielfĂŒhrend ist (bei dieser Art und Schwere des Verbrechens), wage ich zu bezweifeln.
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