Zucker oder Fett

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Zucker oder Fett

Beitragvon Silbernacken » 28 Feb 2015, 21:25

Habe gestern die Sendung "Zucker oder Fett: Was schadet mehr?" auf Arte gesehen und fand sie recht interessant.
Verglichen wurde unter anderem auch die sportliche Leistungsfähigkeit zweier Zwillinge unter zucker- bzw. fett-
reicher Ernährung. Der mit Fett ernährte Zwilling hatte bei starker Belastung, Bergsprint mit Fahrrad, das Nachsehen.
Das deckt sich auch mit der Aussage von Dr. Struntz, dass die Kohlenhydrate der Turbo sind.

Beim zuckerarm und fettreich ernährten Zwilling wurde am Ende der Trainingsphase ein Verlust an Muskelmasse
nachgewiesen. Auch zeichneten sich bei ihm die Anzeichen eines Diabetes-Anfangsstadiums ab, während der Blut-
zucker des zuckerreich Ernährten im Normalbereich war.
Das w√ľrde bedeuten, dass eine fettreiche Ern√§hrung gef√§hrlicher als eine zuckerreiche Ern√§hrung ist!
Danach wäre Low Carb mit viel Fett auch nicht optimal?

Besonders schlimm ist die Kombination aus Zucker und Fett bez√ľglich der Gewichtszunahme.
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Re: Zucker oder Fett

Beitragvon Dr_Frottee » 28 Feb 2015, 21:45

Hab ich auch gesehen -- und fand's recht interessant. Wie auch immer man die Sache bewertet -- sie sagt mMn vor allem eines aus: Extreme funktionieren nicht. Das Einschie√üen auf EINEN Faktor f√ľhrt einfach nicht zum Ziel.
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Re: Zucker oder Fett

Beitragvon markus2611 » 01 M√§r 2015, 11:03

Habe die Sendung zwar nicht gesehen, aber m√∂chte auch mal meinen Senf dazu abgeben. Wie Doc schon geschrieben hat, wurden nat√ľrlich wieder zwei Extreme verglichen. Verstehe nicht, wieso es f√ľr die Menschheit so schwer zu verstehen ist, dass das Optimum meistens irgendwo in der Mitte zu finden ist.

Ich denke mal zusammengefasst kann man sagen, dass jedes Extrem bzw. √úberma√ü nicht gut f√ľr die Gesundheit ist. So lange die 3 Makron√§hrstoffe in einem ausgewogenen Verh√§ltnis zugef√ľhrt werden, besteht da kein Grund zur Panik.

Und das die Kombination von Zucker und Fett bzw. Kohlenhydraten und Fett schlecht ist wurde auch schon seit l√§ngerem widerlegt. Und so lange man es mit "reinem" Zuckerkonsum nicht √ľbertreibt und z. B. 90 % der Ern√§hrung aus unverarbeiteten, "gesunden" Lebensmitteln besteht und vielleicht 10 % aus "Junk" zusammen mit regelm√§√üigem Sport, sehe ich da kein Problem. Das entspricht bei einem Kalorienbedarf von 2500 250 kcal am Tag. Das w√§re z. B. 1 Schokoriegel oder 1-2 Kekse. Oder 1 x pro Woche ein bi√üchen Eiscreme oder ne Pizza.

Gruß,
Markus
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Re: Zucker oder Fett

Beitragvon Dr_Frottee » 01 M√§r 2015, 11:57

Und das die Kombination von Zucker und Fett bzw. Kohlenhydraten und Fett schlecht ist wurde auch schon seit längerem widerlegt.


Das wurde in der Sendung auch nicht gesagt. Vielmehr scheint es so zu sein, da√ü die Kombination aus Zucker und Fett das S√§ttigungssignal unterdr√ľckt und gleichzeitig ein Hungersignal erzeugt. Dieser Effekt scheint bei einer 50:50 Kombination am st√§rksten ausgepr√§gt zu sein.

Ich pers√∂nlich vermute aber, da Haushaltszucker (also Saccharose) verwendet wurde -- Saccharose = 1 Molek√ľl Glucose + 1 Molek√ľl Fructose -- da√ü dieser Effekt √ľberwiegend auf die Fructose zur√ľckgeht. Denn von Fructose wei√ü man ja, da√ü sie sowohl das Hungergef√ľhl verst√§rkt als auch das S√§ttigungsgef√ľhl unterdr√ľckt. Und dieser Effekt wird offenbar durch Fett verst√§rkt.

W√§re interessant gewesen, wie diese Experimente ausfallen, wenn man reine Glucose statt Saccharose verwendet h√§tte. Und dann nochmal bei Verwendung von Oligo- und Polysacchariden z.B. aus Getreide und/oder Gem√ľse.

Hier √ľbrigens der Link zur Mediathek von arte.

Da√ü solche Experimente in dieser extremen Form durchgef√ľhrt werden, macht mMn schon Sinn. Allerdings finde ich die Interpretationen meistens sehr fragw√ľrdig. In diesem Fall a√ü einer massiv KH-betont und fettarm. Protein wurde nicht erw√§hnt. Nahrungsquellen: Obst, Gem√ľse, Getreide, fettarmer S√ľ√ükram und, wenn ich es richtig verstanden habe, ab und zu fettarme tierische Produkte.

Der andere a√ü fettreich und KH-arm. Also √ľberwiegend fettes Fleisch, Fisch, K√§se, Eier. Kein Obst, Gem√ľse, Getreide.

Dann hat man sich die Auswirkungen angeschaut -- und f√ľhrt diese auf den Stoff zur√ľck, der in massiver Form zugef√ľhrt wurde. Nun ja ... es k√∂nnte auch an dem Stoff liegen, der nicht mehr bzw. massiv reduziert zugef√ľhrt wurde. Es k√∂nnte auch an anderen Stoffen liegen, die parallel unbemerkt massiv erh√∂ht oder eben reduziert wurden.

Der Fett-Zwilling z.B. hat kaum noch Ballaststoffe zugef√ľhrt. Ob und wie viele vitamine und Mineralstoffe er zugef√ľhrt hat bzw. wie sich diese Zufuhr im Vergleich zu seiner vorhergehenden Ern√§hrung ver√§ndert hat, wurde gar nicht beachtet und untersucht. Bei dem anderen Zwilling genauso.

DAS sind Punkte, die ich massiv kritisiere. Nur weil sich die Beobachtung auf 2 Faktoren begrenzt, heißt es nicht, daß Veränderungen nur an diesen 2 Faktoren liegen.

Nehmen wir nochmal den Fett-Zwilling. Viel Fleisch, Fisch, Milchprodukte, Eier. Also viel Protein, wenig Ballaststoffe. Vor allem wenig lösliche Ballaststoffe. Das kann zwei Wirkungen haben:

1. Durch das viele Protein steigt die Wahrscheinlichkeit, da√ü unverdaute Proteinr√ľckst√§nde in den Dickdarm gelangen. Dort werden diese Proteinr√ľckst√§nde dann von Bakterien (z.B. Clostridien) verstoffwechselt. Bei dieser Verstoffwechslung entsteht als Nebenprodukt Ammoniak. Ammoniak ist ein stark basisches Gas. Das Dickdarmmilieu verschiebt sich in Richtung basisch. Um optimal zu funktionieren, sollte der Dickdarm aber ein saures Milieu aufweisen. Zudem verst√§rkt ein basisches Milieu die Ausbreitung von z.B. Clostridien --> also ein Teufelskreis.

Das entstehende Ammoniak wird bei saurer Dickdarmflora in Ammonium umgewandelt und ausgeschieden. Bei basischer Dickdarmflora hingegen ist die Umwandlungsrate massiv geringer. So kann Ammoniak die Darmwand passieren und ins Blut eindringen. Ammoniak wirkt im Körper toxisch und muß von der Leber entgiftet werden. Wenn aber nun hohe Mengen Ammoniak anfallen, wird die Leber stark belastet -- mit den entsprechenden Auswirkungen. Kann ja jeder mal unter Ammoniak, Hyperammonämie und hepatischer Enzphalopathie bei Wikipedia oder im doccheck-flexikon nachlesen. ;)


2. L√∂sliche Ballaststoffe sind Nahrung f√ľr "gute" Darmbakterien. Reduziert man also die l√∂slichen Ballaststoffe drastisch, entzieht man den "guten" Bakterien Nahrung. Und was nichts zu futtern kriegt, kann sich nicht fortpflanzen/ausbreiten, sondern stirbt ab. Wenn aber diese Bakterien absterben, schaffen sie Raum f√ľr andere Bakterien. Z.B. f√ľr Clostridien, sofern diese denn ausreichend mit "Nahrung" versorgt werden (Proteinr√ľckst√§nde s.o.).


Will sagen: Durch viel Protein und gleichzeitig wenig (lösliche) Ballaststoffe kann man sehr effektiv seine Darmflora verändern/verschieben hin zu einer Fäulnisflora, die Toxine, Nerven- und sogar Leichengifte produziert, welche u.a. in den Citratzyklus eingreifen und so die Zellatmung verändern/behindern.

Und dann kommt so ein TV-Experiment daher, verk√ľrzt die Darstellung und Beobachtung auf KH und Fett und f√ľhrt dann die Auswirkungen zur√ľck auf viel Fett bzw. viele KH ... das sind die Momente, wo ich immer nur hoffe, da√ü die praktizierte Wissenschaft ANDERS abl√§uft. :-o

Aus den dargestellten Zusammenh√§ngen sehe ich √ľbrigens die √ľbliche Proteinmast bei Hobby-Bodybuildern und -Kraftsportlern sehr skeptisch. Wenn man sich mal deren Ern√§hrungspl√§ne anschaut, dann findet man Protein, Protein und nochmal Protein. Aber kaum Vitamin- und Mineralstoffspender. Von l√∂slichen Ballaststoffen (insbesondere Gem√ľse ... und Obst) mal ganz abgesehen.


Meine persönliche Meinung:

  • 1g Protein pro kg FFM pro Tag als Grundversorgung
  • in den 24 Stunden nach einem GK-Krafttraining 20g Protein zus√§tzlich
  • t√§glich 1-1,5g Fett pro kg Kgw (Butter, Kokos√∂l, Oliven√∂l, Lein√∂l)
  • die restlichen Kalorien √ľber KH auff√ľllen
  • dabei viel Gem√ľse futtern (rund 1kg t√§glich -- oder mehr)
  • Fructose auf 30g am Tag begrenzen (also maximal 600g Obst am Tag; bei sehr KH-haltigen S√ľdfr√ľchten wie Bananen nur 300g; Trockenfr√ľchte maximal 100g am Tag und dann auch nur diese Trockenfr√ľchte)


Wichtig in mentaler Hinsicht scheint noch zu sein, daß man Zucker (mMn insbesondere Fructose) und Fett nicht kombinieren sollte, weil diese Kombination (größter Effekt bei 50:50) offenbar das Sättigungssignal abschwächt und das Hungersignal verstärkt. Wahrscheinlich ist das auch der Grund, warum Marmeladebrot so brutal nach Mehr schmeckt oder Kuchen oder Schokolade -- und diese Dinge genau deshalb in einer Reduktionsdiät nicht auftauchen sollten: Man hält es mental (HUNGER) nicht allzulange durch.


Gr√ľ√üe
Doc
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