Diskussion "Über Balance, Koordination und Flexibilität"

Fragen und Antworten

Diskussion "Über Balance, Koordination und Flexibilität"

Beitragvon Hernando » 28 Okt 2012, 11:21

Um dies zu gewährleisten muss unser Gehirn ständig in Sekundenbruchteilen Informationen über Position und Bewegung unseres Körpers sowie über ein möglicherweise veränderliches Umfeld, etwa sandigen Boden, verarbeiten und ebenso schnell mittels Nervenimpulsen die Muskulatur zu Ausgleichsbewegungen zwingen.
Dieses Zusammenspiel zwischen Gehirn, unseren Sinnesorganen und der Muskulatur gilt es zu schulen, (...)

Genau genommen ist dies nicht korrekt, da viele Bewegungsabläufe schon spinal programmiert sind (s. z.B. Schreitreflex bei Neugeborenen) und viele Gleichgewichtsfunktionen ebenso auf spinaler Ebene reflexartig ablaufen. Insofern würde ich empfehlen, den Begriff „Gehirn“ durch “ZNS“ zu ersetzen.

Eine korrekte Übungsausführung erkennt man daran, dass sie der natürlichen Bewegung unseres Körpers entspricht und somit alle Muskeln und Gelenke in natürlichem Verhältnis zueinander Belastet werden.
Dies tut man quasi automatisch, wenn man die perfekte Körperhaltung und den Aufbau von Körperspannung zu ihrer Erhaltung, auch unter Belastung, erlernt und verinnerlicht hat.

Hier stehe ich mit ein paar Fragezeichen da – wenn die Übungsausführung der „natürlichen Bewegung unseres Körpers“ folgen soll, und die „natürliche Bewegung quasi automatisch“ erfolgt, warum soll man dann den Bewegungsablauf spezifisch erlernen müssen, dass er natürlich wird?
Hier stört mich der Begriff „natürlich“. Am Anfang des Absatzes zur „Körperspannung“ wird als ein Hauptziel formuliert, „die Körperhaltung zu perfektionieren“ - ergo willentlich gezielt auf die Körperhaltung dergestalt einzuwirken, wie das Individuum (oder die Gesellschaft, Wissenschaft oder wer auch immer) „perfekte Körperhaltung“ definiert. Von dieser zielgerichteten Intervention abgesehen – also „natürlicher Weise“ - würde sich die Körperhaltung der Person möglicherweise anders entwickeln. Langer Rede kurzer Sinn: Hier wird nahe gelegt, nicht dem „natürlichen Verlauf“ zu folgen, sondern „künstlich“ auf die Haltung Einfluss zu nehmen. Aus dieser artifiziellen Intervention – abgeleitet aus einer Idealvorstellung – soll dann wieder eine „natürliche Bewegung“ erwachsen.
Hier sieht man sich also mit der Frage konfrontiert: was heißt „natürlich“? Bedeutet „natürlich“ schlicht „ohne menschliche Einflussnahme“ (eine Definition, wie sie „Naturfanatiker“ gerne zu gebrauchen scheinen) – in welchem Fall eine „natürliche Bewegung“ heutzutage nicht mehr möglich sein dürfte, da wir uns dauernd in von der Menschheit beeinflusster Umgebung befinden? Oder ist „natürlich“ schlicht die Entwicklung im gegebenen Umfeld mit den gegebenen Voraussetzungen – so dass eine eventuelle „bucklige Haltung“ eines Büroangestellten als „natürlich“ anzusehen wäre.

Ob dieser Körper besonders massig sein sollte oder nicht, hängt hingegen vom individuellen Geschmack und vom Zeitgeist ab, das Auge für Symmetrie und Proportionen jedoch nicht!

Sehe ich anders – man vergleiche nur mal heutige „Supermodels“ mit den in barocken Gemälden abgebildeten Damen. Jedenfalls meiner Wahrnehmung nach sind die Proportionen deutlich unterschiedlich.

Das isolierte Training einzelner Muskeln führt hingegen schnell zu Asymmetrie und abnormen Größenverhältnissen, was sich sowohl auf die Optik als auch auf den Haltungs- und Bewegungsapparat negativ auswirken kann.

M.E. haltlose Behauptung.

Jemand der nur mit IsolationsĂĽbungen trainiert, der mag sehr starke Muskeln bekommen haben.
Trotzdem wird er bei komplexeren Mehrgelenksübungen weniger Gewicht bewältigen können als jemand, der zwar kleinere und eventuell schwächere Muskeln hat, aber an Mehrgelenksübungen gewöhnt ist.

M.E. haltlose Behauptung.

VerkĂĽrzte HĂĽftbeuger kippen beispielsweise unser Becken stark nach hinten

Falsch – nach vorne.

Also ist es enorm wichtig, die Dehnung nicht zu vernachlässigen!

Hier stellt sich mir die Frage: Wenn nach den in diesem Artikel gegebenen Empfehlungen trainiert wird, also die Haltung optimal ist, die Muskulatur durch Grundübungen optimal trainiert wird, etc. warum sollte die Muskulatur dann „verkürzen“ und das, was wir dauernd trainieren – eben eine optimale Haltung mit optimal ausgewogener Muskulatur, etc. - zu Nichte machen. Ausgehend vom „Natürlichkeits-Paradigma“: Mir wäre jetzt nicht bekannt, dass der „natürliche homo sapiens“ der Steinzeit etc. ein spezifisches Dehntraining absolviert hätte, so dass er nicht in eine „schlechte Haltung“ ob seines aktiven Lebensstils verfällt.

Den Ausdauer-Absatz finde ich teils widersprüchlich. Zuerst wird vom aeroben Ausdauertraining (nahe der anaeroben Schwelle) gesprochen, welches als für den Alltag eher untauglich dargestellt wird, dann wird aber wieder darauf verwiesen, dass „es das HK-System zu trainieren gilt“ um extreme Belastungen über einen höheren Zeitraum durchhalten zu können. Also was jetzt?
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