Trainings-Systeme

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Re: Trainings-Systeme

Beitragvon Hernando » 21 Aug 2015, 16:18

Auf den Eingangspost bezogen stellt sich mir zunächst mal die Frage: Wer ist "man"?

Ich glaube zum Beispiel eher weniger, dass Mr.-Olympia-Teilnehmer ganz ohne Systematik auskommen w√ľrden. Auch ansonsten ist es meiner Erfahrung nach im Sport, wenn man gewisse Ziele verfolgt, zumindest ein paar Variablen einer Systematik zu unterwerfen - sei es nun das Training an sich, die Ern√§hrung, die Zufuhr anderweiteiger Substanzen, etc.

Auch ist mir das Verst√§ndnis des Plateau-Begriffes nicht so ganz klar. Oft scheint mir, dass das Erreichen des Plateaus gleichgesetzt wird mit einem absoluten und ewig w√§hrenden Stillstand des Trainingsfortschritts. Meiner Meinung nach ist ein Plateau selten das Ende, sondern will "durchquert" werden, damit man auf der anderen Seite den Aufstieg weiterf√ľhren kann. Dies kostet aber etwas Geduld, weshalb im Amateurbereich meiner Meinung nach oft zu schnell das bisherige System verlassen und auf ein anderes gewechselt wird. In der Aussage
markus2611 hat geschrieben:Und wenn jemand nach 3 Monaten eines Systems komplett stagniert und sich in keinem der Bereiche steigern kann, hakt es irgendwo (Training, Ernährung, Regeneration).

bin ich also nicht unbedingt der Meinung von markus2611. Gut Ding will Weile haben, und wo steht geschrieben, dass der Trainingserfolg einem stetig steigenden Verlauf folgen muss?

markus2611 hat geschrieben:Angenommen man trainiert 3 Monate nach dem selben System (gleiches Volumen, gleiche Frequenz, gleiches Gewicht, gleiche Pausenzeiten), dann wird man nach einer gewissen Zeit keine Ver√§nderung mehr haben. Beste Beispiele sind hierf√ľr die Leute die Jahr f√ľr Jahr mit den selben Gewichten trainieren und immer noch so aussehen wie im Jahr zuvor.

Versteh ich nicht ganz. "Gleiches Volumen, gleiche Frequenz, gleiches Gewicht, gleiche Pausenzeiten" w√ľrde ich jetzt nicht als System bezeichnen - das ist f√ľr mich ein einmalig aufgestellter Trainingsplan, der nicht angepasst wird. :-??

Silbernacken hat geschrieben:Das optimale Trainingssystem scheint es nicht zu geben

Provokante Frage: Wie soll es das auch?
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Re: Trainings-Systeme

Beitragvon markus2611 » 22 Aug 2015, 13:18

bin ich also nicht unbedingt der Meinung von markus2611. Gut Ding will Weile haben, und wo steht geschrieben, dass der Trainingserfolg einem stetig steigenden Verlauf folgen muss?


Da geb ich Dir schon zum Teil Recht. Aber √ľber einen gewissen Zeitraum sollte es schon m√∂glich sein, sich in einem gewissen Ma√ü zu steigern. Entweder 1 Whd. mehr, 1 Satz mehr, das selbe Gesamtgewicht in k√ľrzerer Zeit bewegen (k√ľrzere Pausen) etc. Und wenn jemand 3 Monate oder l√§nger keine Whd. mehr schafft nicht mal 1, dann stimmt irgendwas nicht. Das man nicht st√§ndig neue Rekorde aufstellt, ist aber auch klar. Aber eine gewisse Progression sollte schon da sein, denn ohne progressive Reize zu setzen gibt es ja auch keinen Muskelaufbau mehr.

Versteh ich nicht ganz. "Gleiches Volumen, gleiche Frequenz, gleiches Gewicht, gleiche Pausenzeiten" w√ľrde ich jetzt nicht als System bezeichnen - das ist f√ľr mich ein einmalig aufgestellter Trainingsplan, der nicht angepasst wird. :-??


Dieses nicht angepasste Training trifft aber leider auf den Großteil der Studiogänger zu

Silbernacken hat geschrieben:
Das optimale Trainingssystem scheint es nicht zu geben


Das optimale System muss man halt f√ľr sich individuell bestimmen. Sprich, auf welches Volumen, Frequenz, √úbungsauswahl und Intensit√§t spreche ich am besten an und was kann ich auch kontinuierlich durchziehen. Aber nat√ľrlich in Form von intelligentem Experimentieren, d. h. immer nur 1 Variable √§ndern, f√ľr eine gewisse Zeit ausprobieren und dann verschiedene Werte vergleichen. Mit der Zeit (Trainingserfahrung, Alter, etc.) kann sich das nat√ľrlich auch immer wieder mal etwas √§ndern. Was f√ľr einen Anf√§nger funktioniert l√§sst sich nicht auf einen Fortgeschrittenen √ľbertragen und umgekehrt.

Gruß,
Markus
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Re: Trainings-Systeme

Beitragvon Hernando » 22 Aug 2015, 14:35

markus2611 hat geschrieben:Aber √ľber einen gewissen Zeitraum sollte es schon m√∂glich sein, sich in einem gewissen Ma√ü zu steigern.

Je nach Zielsetzung sicherlich. Doch stellt sich mir, wie oben geschrieben, durchaus die Frage, ob dieser "gewisse Zeitraum" auch abgewartet wird. Zudem ist meiner Ansicht nach auch die M√∂glichkeit gegeben, dass sich der entsprechende Athlet "im Plateau" zu sehr unter Durck setzt und auf Biegen und Brechen versucht, z.B. doch noch eine Wdh. mehr zu schaffen. Dies k√∂nnte insgesamt die Trainingsintensit√§t zu ung√ľnstigen Zeitpunkten erh√∂hen und u.U. die Plateau-Phase negativ beeinflussen (im Sinne z.B. von √úberanspruchung und damit weiterer Verl√§ngerung des Leistungsstillstandes).

markus2611 hat geschrieben:Dieses nicht angepasste Training trifft aber leider auf den Großteil der Studiogänger zu

Und dieser mutmaßliche Sachverhalt betrifft uns bzw. das hier diskutierte Thema in welcher Weise?
Ich versteh halt das Argument nicht :(
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Re: Trainings-Systeme

Beitragvon Henry » 26 Aug 2015, 16:28

Wenn ich mich persönlich mal ganz ehrlich frage, wer (zu meinen Studiozeiten) am besten aufgebaut hat, waren das eigentlich immer die Jungs (und Mädels), die zwar ganz grob nach einem bestimmten System trainiert haben, aber nie ganz festgelegt waren und auf ihren Körper gehört haben, also individuell (nach Tagesform usw.) ihr Training verändert/angepasst haben.
Instinktprinzip hieß/heißt das (glaube ich) - m. E. eine gute Sache ... :-bd

Die Typen (so wie ich fr√ľher auch), die immer alles ganz akribisch aufgeschrieben haben und ganz genau nach einem 100%-ig vorher festgelegten Plan trainiert haben (z. T. sogar mit Stoppuhr), waren eher immer diejenigen, die schlecht aufgebaut haben.
Und die hatten im Übrigen zumeist auch weniger Spaß beim Training ... ;)

Deshalb glaube ich manchmal auch, daß das "Hardgainer-Dasein" evtl. auch im Kopf anfängt und wir Hardgainer uns einfach viel zu viele Gedanken machen und uns damit manchmal selbst im Wege stehen.
Ein Trainings-System zu haben macht sicher Sinn, aber ich denke, im Rahmen dessen sollte man sich auch mal nach links oder rechts bewegen d√ľrfen ...

Ich persönlich fahre derzeit sehr gut mit einer Grobeinteilung meines Trainings mit festgelegten Trainings- bzw. Pausenzeiten (alle drei Tage) und Übungen bzw. Sätzen - aber eben individueller Anpassung nach Tagesform und Lust.
Das allerbeste dabei ist, daß ich mich auch nach mehr als 25 Trainingsjahren immer noch (alle drei Tage) auf mein Training freue - und im Moment geht es auch körperlich vorwärts.
Schaffe, schaffe, Körperle baue,
Und net nach de Fastgainer schaue.
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Re: Trainings-Systeme

Beitragvon Tomcat » 27 Aug 2015, 19:02

Henry hat geschrieben:Die Typen (so wie ich fr√ľher auch), die immer alles ganz akribisch aufgeschrieben haben und ganz genau nach einem 100%-ig vorher festgelegten Plan trainiert haben (z. T. sogar mit Stoppuhr), waren eher immer diejenigen, die schlecht aufgebaut haben.
Da finde ich mich wieder! :))

Henry hat geschrieben:Und die hatten im Übrigen zumeist auch weniger Spaß beim Training ... ;)
Da nicht! :)

Leute, die beim Training Aufzeichnungen machen, sehe ich eigentlich eher selten. Selbst einen (schriftlichen) Trainingsplan haben die wenigsten dabei, allenfalls die ganz neuen.

Mag ja sein, dass die Leute, die keine Aufzeichnungen machen, gut aufbauen. Da kann man sich dann allerdings auch fragen, ob sie keine Aufzeichnungen machen, WEIL sie gut aufbauen? :-?? Au√üerdem w√ľrden sie vielleicht noch besser aufbauen, wenn sie strukturierter vorgehen w√ľrden. Ich werde jedenfalls weiter dabei bleiben, Aufzeichnungen zu machen. Momentan h√§lt sich das allerdings in Grenzen (au√üer bei den Krafttests), da ich ja bei FST fast immer das Gleiche mache.
Wer etwas will, findet Wege. Wer etwas nicht will, findet Gr√ľnde.
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Re: Trainings-Systeme

Beitragvon markus2611 » 29 Aug 2015, 17:31

Sehe das √§hnlich wie Tomcat. Das Leute die gut aufbauen, nicht so methodisch planen wie jemand der sich schwerer beim Aufbauen tut, muss nicht zwangsl√§ufig hei√üen, dass sie wegen der fehlenden Planung besser aufbauen. Da darf man Ursache und Wirkung nicht durcheinanderbringen, denn ein wichtiger Punkt ist immer noch die Genetik. Und jemand mit sehr guter Genetik wird selbst mit einem suboptimalen Training besser aufbauen, als derjenige mit ausgekl√ľgeltem Trainingssystem. Mir sind auch schon √∂fters Leute begegnet, die einen breiten R√ľcken und gro√üe Oberarme hatten und nie einen Fu√ü ins Fitnesstudio gesetzt haben.
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Re: Trainings-Systeme

Beitragvon Silbernacken » 30 Aug 2015, 11:44

Ich denke, das Grund√ľbel ist K√∂rperstress. Dabei ist nicht der externe Stress durch √§u√üere Einfl√ľsse, sondern der interne, physische K√∂rperstress gemeint. Viele Menschen stehen, meist unbewusst, st√§ndig unter k√∂rperlichem Stress.
Durch diese Art des Stresses kommt der Körper nie zur Ruhe und damit in den Bereich, in dem das Immunsystem richtig arbeiten kann und ein Muskelaufbau stattfindet.
Das kann sich auch darin √§u√üern, dass man √ľber das Training genau Buch f√ľhrt, seine Leistungen st√§ndig vergleicht, permanent auf der Suche nach neuen Trainingsmethoden ist und Panik bekommt, wenn man im Urlaub das Training ausfallen lassen muss.

Die Leute, die gut aufbauen, setzen sich im Training nicht unter Stress und kommen evtl. schon nach 1...2 Stunden nach dem Training wieder in eine völlige Ruhephase.

Denkt mal dar√ľber nach.
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Re: Trainings-Systeme

Beitragvon Silbernacken » 31 Aug 2015, 12:22

F√ľr mich hat sich meine These heute beim Training best√§tigt. Nach 14 Tagen Trainingspause der Muskelgruppen und "schlechter " Ern√§hrung w√§hrend einer Woche Urlaub, eine Mahlzeit weggelassen und maximal 50g Eiwei√ü pro Tag,
war ich heute st√§rker als vorher und die √úbungen fielen mir erstaunlich leicht. Im Urlaub habe ich nur Entspannungs√ľbungen gemacht.
Da fragt man sich nat√ľrlich wieder, was man von solchen Forderungen, wie mindestens 2x pro Woche trainieren, Kalorien√ľberschuss und mindestens 2g Eiwei√ü, halten soll.
Das Wichtigste scheint immer vergessen zu werden.
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Re: Trainings-Systeme

Beitragvon Henry » 03 Nov 2015, 10:54

Silbernacken hat geschrieben:F√ľr mich hat sich meine These heute beim Training best√§tigt. Nach 14 Tagen Trainingspause der Muskelgruppen und "schlechter " Ern√§hrung w√§hrend einer Woche Urlaub, eine Mahlzeit weggelassen und maximal 50g Eiwei√ü pro Tag, war ich heute st√§rker als vorher und die √úbungen fielen mir erstaunlich leicht. Im Urlaub habe ich nur Entspannungs√ľbungen gemacht.
Da fragt man sich nat√ľrlich wieder, was man von solchen Forderungen, wie mindestens 2x pro Woche trainieren, Kalorien√ľberschuss und mindestens 2g Eiwei√ü, halten soll.
Das Wichtigste scheint immer vergessen zu werden.


Was die Kraft betrifft kann ich das bestätigen, da sind längere Pausen besser.
Aber Muskelaufbau ist eben nicht unbedingt mit Kraft gleichzusetzen und da ist meine Erfahrung eindeutig die, daß ein 2-3 x wöchentliches Training am besten anschlägt.
Schaffe, schaffe, Körperle baue,
Und net nach de Fastgainer schaue.
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Re: Trainings-Systeme

Beitragvon Silbernacken » 09 Jan 2016, 12:23

Angeregt durch die Leistungsangaben von dir, Henry, habe ich mal in meinen alten Trainingsaufzeichnungen nachgeschaut. Mit Ende 40 habe ich noch S√§tze im Bankdr√ľcken von 10x80 Kg und 4x90 Kg gemacht und das bei nur einem K√∂rpergewicht von 76 Kg.
Ich möchte damit nicht angeben, sondern zeigen, dass mein Training und die Ernährung bei den Leistungen doch nicht so falsch gewesen sein muss und ich trotzdem keine nennenswerte Muskelmasse aufgebaut habe. Womit wir wieder beim Thema Hardgainer sind. Der Muskelaufbau scheint doch weitgehend eine Sache der Gene zu sein, auch wenn das immer wieder heruntergespielt wird.
Ich habe schon viele Trainingssysteme probiert, aber keines konnte mir den erhofften Muskelzuwachs bringen. Wenn man schon ein wenig Erfahrung hat und auf seinen Körper hört, kann man auch nicht so falsch trainieren, wie immer behauptet wird. Es gibt nicht das Wunder-Trainingssystem. Eventuell dauern die Fortschritte bei einem nicht optimalem System nur etwas länger.
Die k√∂rperliche Leistungsf√§higkeit ist √ľber das Jahr nicht immer gleichm√§√üig, mit zunehmendem Alter werden die Schwankungen noch gr√∂√üer. Deshalb f√ľhren genaue Aufzeichnungen der Trainingsergebnisse m.M.n. nicht immer zu richtigen R√ľckschl√ľssen bez√ľglich des Trainings.
Auch Versuche mit der Ern√§hrung haben keine √Ąnderung gebracht. Ein hoher Eiwei√ükonsum hatte die Wirkung 0 und
die Erh√∂hung der Kalorien f√ľhrte nur zum Fettansatz.
Die ganzen Vorgaben √ľber Eiwei√übedarf und Kalorienmenge kann man m.M.n. in die Tonne treten. Habe gerade √ľber einen Selbstversuch bez√ľglich des Eiwei√ües gelesen, das 1 g pro Kg fettfreier K√∂rpermasse f√ľr uns Freizeitsportler mehr als ausreichend ist.

Uli
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