Begeisterung — Das Geheimnis für Erfolg

Immer wieder höre und lese ich die Frage: „Was ist denn nun der ausschlaggebende Faktor für ein erfolgreiches Training?“  Da kann man jetzt technisch drauf antworten: „Du musst vernünftig trainieren, Dir ausreichend lange Regenerationszeiten gönnen, darfst dich nicht überlasten und musst alle Nährstoffe bedarfsgerecht zuführen.“ Das ist sicherlich richtig und notwendig. Denn wenn Du das nicht machst, wird es mit dem Muskelaufbau nicht klappen. Die Gene spielen ebenfalls eine gewichtige Rolle dabei, wie schnell und in wie großem Ausmaß Du Erfolg beim Muskelaufbau hast.

Das ist „technisch“ alles richtig. Und vor allem musst Du all diese technischen Dinge regelmäßig mit einer gewissen Häufigkeit und vor allem über einen langen Zeitraum umsetzen. Regelmäßig heißt: ohne längere Pausen. Häufig heißt: Jeden Muskel zweimal pro Woche trainieren. Und langfristig heißt: Mindestens 2-3 Jahre lang.

Und das gelingt nur dann, wenn Du motiviert bist. Wenn Du begeistert bist. Wenn Du für Dein Training „brennst“.

Begeisterung ist das Wichtigste

Um es gleich zu Anfang klarzustellen: Begeisterung allein ist ganz sicher nicht ausreichend, um Erfolg zu haben. Aber sie ist ein ganz zentraler, notwendiger Faktor für Deinen Erfolg und Deinen Fortschritt. Du musst das Training lieben. Du musst den Fortschritt und den Erfolg wollen. Wirklich wollen. Du musst bereit sein, täglich 4-5 Stunden zu trainieren. Dir am Tag 5.000-6.000 kcal einzuverleiben. Alles andere im Leben dem Training unterzuordnen.

Moment mal – wird beim FST® und bei der zyklischen Ernährung nicht was anderes vertreten? Ja – in der praktischen Umsetzung ist das, was ich eben geschrieben habe, übertrieben und sollte deutlich reduziert und den persönlichen Bedürfnissen und Toleranzen angepasst werden. Was ich oben meine, ist die Einstellung zum Training und zur Ernährung. Nicht die praktische Umsetzung.

Schauen wir uns doch einmal das Gegenteil an: Jemanden, den Training nicht wirklich interessiert. Der vielleicht trainiert, nur weil seine Freunde es tun. Aber eigentlich würde er mit seiner Zeit viel lieber etwas anderes anfangen. So jemand geht vielleicht 2-3 Monate lang zum Training und hört dann wieder auf. Doch was kann man in 2-3 Monaten erreichen? Wenig bis nichts. Natürlich gehen die Kraftwerte aufgrund neuromuskulärer Koordination innerhalb von 2-3 Monaten nach oben. Aber dann ist diesbezüglich ein Deckeneffekt erreicht. Erst wer jetzt weitermacht, und zwar über weitere mindestens 2-3 Jahre, kann sein Potential annähernd ausschöpfen. Aber wer bleibt 2-3 Jahre oder noch länger regelmäßig bei einer Sache, wenn er nicht von ihr begeistert ist?

Intrinsische Motivation: Echte Begeisterung kommt von innen

Echte, wahre Begeisterung kommt immer von innen. Wie oft höre ich: „Wie kann ich mich für’s Training motivieren?“. Die typischen Antworten, die man dann hören kann, sind:

  • „Schau Dir Fotos von den Profis an.“
  • „Schau Dir Trainingsvideos von den Profis an.“
  • „Hör motivierende Musik.“
  • „Nimm einen Trainingsbooster“

Hier werden aber zwei grundlegende Dinge verwechselt – nämliche akut herabgesetzte „Lust“ auf das Training auf der einen Seite und fehlende innere Begeisterung für eine Sache (intrinsische Motivation) auf der anderen Seite. Du kennst dieses Gefühl sicherlich auch an manchen Tagen: „Mann … ich hab heute einfach keinen Bock aufs Training. Ich fühl mich schlapp und die Muskeln sind so schwer.“. In einem solchen Fall können die oben genannten Maßnahmen sicherlich hilfreich sein. Oder ein Trainingspartner, der einem in den Hintern tritt. Wenn dieser Zustand häufiger auftritt, ist es nicht verkehrt, eine einwöchige Trainingspause einzulegen, um ein eventuell einsetzendes Übertraining frühzeitig zu kurieren.

Wenn der obige Zustand aber von Anfang an der Normalzustand war, und Du Dich jedes Mal zum Training aufraffen musstest, dann solltest Du Deine Motivation hinterfragen. Denn dann fehlt Dir die Begeisterung. Dann trainierst Du nicht, weil Dir das Training Spaß macht oder weil Du die Anstrengung, das Muskelgefühl oder den Pump liebst. Sondern dann ist das Training für Dich nur Mittel zum Zweck. Dann begeistert Dich vielleicht der Zweck, aber nicht der Weg, sprich: das Training. Dann fehlt es Dir an innerer Begeisterung und intrinsischer Motivation. Und wenn die fehlt, wirst Du das Training weder regelmäßig noch langfristig durchziehen. Doch genau diese beiden Zutaten (Regelmäßigkeit + Langfristigkeit) sind zentral, wenn Du Fortschritte erzielen willst.

Ganz wichtig beim Thema Erfolg und Motivation sind daher nicht die Fragen „Was will ich haben?“ oder „Was will ich erreichen?“ – sondern die Frage „Was tue ich gerne?“ bzw. „Was würde ich am liebsten jeden Tag tun?“. Unter diesem Aspekt solltest Du Dein Training hinterfragen – und ggf. anpassen.

© Jan Kralle