Carnitin und Sport

t e(Beitrag von Hernando, Nov. 2012)

„Ich jogge nun schon seit zwei Wochen, und nehme immer noch nicht ab“ beklagt sich die Fitnesstudiokundin. „Nun, da müssen Sie Carnitin nehmen, das hilft der Fettverbrennung. Zum Glück haben wir hier ein entsprechendes Präparat äußerst günstig im Angebot“, antwortet der Fitnessstudioangestellte. Kommt Ihnen das bekannt vor?

Nun denn, was ist dran, am Carnitin?

Allgemeines:
Das 1905 entdeckte Carnitin, auch Beta-OH-gamma-Trimethylaminobuttersäure genannt, kann vom Körper selbst (in der leber) aus der Aminosäure Lysin gebildet werden [1]. Vegetarier nehmen täglich im Schnitt 2mg, Mischköstler ca. 32mg davon durch die Nahrung auf [1]. Unter den besonders carnitinreichen Nahrungsmitteln befindet sich das Fleisch (Schaf 210mg, Rind 70mg, Schwein 30mg; Angaben pro 100g Nahrungsmittel), pflanzliche Lebensmittel verfügen über eher geringe Mengen (Tomaten 2,9mg, Birnen 2,7mg, Erbsen 1,2mg; Angaben pro 100g Nahrungsmittel) [1]. Ganz ohne Carnitin kommen scheinbar Karotten und Kartoffeln daher [1].
Carnitin ist wasserlöslich und wird zum Teil beim kochen aus den Lebensmitteln gelöst [1].
Carnitin findet sich nicht auf der Verbotsliste der WADA (2008) wieder [5].

Aufgaben:
Die Funktionen des Carnitins sind bisher nur unvollständig bekannt [1]. Gesichert ist, dass langkettige Fettsäuren an Carnitin gebunden durch die innere Mitochondrienmembran geschleust werden und somit der Beta-Oxidation zugeführt werden können [1][2]. Im Endeffekt bedeutet dies, dass Carnitin das Wägelchen ist, welche die Kohle im Kraftwerk zum Ofen bringt, so dass diese verbrannt werden kann und somit Energie freigesetzt wird.
Scheinbar existieren auch Hinweise darauf, dass Mittelkettige Fettsäuren kein Carnitin zum Transport über mitochondriale Membranen benötigen und dass Carnitin für die Oxidation dieser Fettsäuren eine Rolle spielt [1].

Carnitin und Sport:
Nun endlich zu der Frage: Bringt mir die Einnahme von Carnitin-Präparaten irgendetwas bezüglich meiner Abnehmwünsche oder im Sinne einer verbesserten Leistungsfähigkeit? Die klare Antwort laut aktuellem Wissensstand lautet: nein [1][2][3][4].

Eine Supplementation mit Carnitin während etwa einem Monat erhöht die Plasmacarnitinkonzentration, nicht aber die Konzentration in der Muskulatur. Die klinischen Studien an Gesunden zur Frage einer Steigerung der körperlichen Leistungsfähigkeit und Minimierung der Ermüdbarkeit kamen zu keinem überzeugenden positiven Ergebnis. Auch die maximale Sauerstoffaufnahme unter Belastung konnte durch Gabe von Carnitin nicht gesteigert werden (…).
Aus: [1], S.23

 

Gut kontrollierte Studien haben (…) gezeigt, dass eine Supplementation mit Carnitin keine Effekte auf Leistung bzw. auf die Geschwindigkeit der Fettsäurenoxidation hat.
Aus. [2], S.332

Offensichtlich reicht beim gesunden Menschen die Eigensynthese und/oder die Aufnahme von Carnitin über unsere Nahrung (ohne Supplemente) aus, um den Bedarf zu decken [2][3].

Hier könnt ihr über diesen Artikel diskutieren.

Literatur:
[1] Kasper H. (2004). Ernährungsmedizin und Diätetik. 10.A. Elsevier Urban & Fischer: München
[2] Biesalski H.K., Grimm P. (2004). Taschenatlas der Ernährung. 3.A. Georg Thieme Verlag: Stuttgart
[3] Brass E.P. (2000). Supplemental carnitine and exercise. Am J Clin Nutr;72(suppl):618S–623S.
[4] http://www.dr-moosburger.at/pub/pub011.pdf (aufgerufen am 28.08.2008)
[5] http://www.nada-bonn.de/fileadmin/user_ … eutsch.pdf (aufgerufen am 28.08.2008)