Creatin – So ungefährlich wie man glaubt?

(Beitrag von Hernando, Nov. 2012)

Nahrungsergänzungsmittel sind ein in der Fitnesswelt gern gesehenes Mittel, um die eigenen Ziele schneller und besser zu erreichen. In wie fern diese Wünsche auch tatsächlich in erhofftem Maße erfüllt werden, soll hier nicht diskutiert werden. Hier möchte ich mich kurz einem der Supplements widmen, welche (jedenfalls wenn man sich die Fitnessforen durchschaut) in der jugendlichen Krafttrainingsgemeinde sehr beliebt ist: Creatin. Bis zu 8,2% der Jugendlichen in Amerika scheinen sich dieses Supplements zu bedienen, bei Collegeathleten sind es bis zu 78% [1]. Geschätzterweise wurden 1997 über 300.000kg an Creatin an Athleten verkauft [2]. Wohl aufgrund dieser Beliebtheit gibt es auch schon einige Artikel im Netz, welche das Supplement zum Thema haben (eine kleine Auswahl deutschsprachiger Artikel: [3-6]). Daher möchte ich mich einem bestimmten Punkt widmen, der meiner Meinung nach in diesen Artikeln zu kurz kommt: Wie sieht die Datenlage zur Schädlichkeit dieses Nahrungsergänzungsmittels aus – vor Allem über längere Zeit hinweg betrachtet?

Allgemein bekannte Nebenwirkungen des Creatin: [1,3-6]
– Wassereinlagerungen
– Muskelverhärtungen oder Krämpfe
– Diarrhoe
– Erhöhte Nierenbelastung
– reversible Verringerung der Creatin-Eigensynthese

Weitere bekannte Nebenwirkungen: [7]
– „dizziness“
– Muskelfaserrisse

Auch wird diskutiert, ob Dehydrationserscheinungen und Probleme im Hitzemanagement bei Kreatineinnahme vor der sportlichen Belastung auftreten können [8,9].
Die auslösende Rolle von Creatin für ein paar Todesfälle, welche mit entsprechender Supplementierung Verbindung gebracht wurden, hat sich nicht bestätigt [1,2].

Problematiken des Sicherheitsaspekts:
Die Langzeitwirkungen von Creatineinnahme als ergogenes Supplement wurden noch nicht ausreichend untersucht [1,2,7,10]. Die europäische Kommission nennt als besonderen Kritikpunkt, dass Studien zum Beleg der „Harmlosigkeit“ der Creatinsupplemente herangezogen werden, die eigentlich als Thema die Überprüfung einer Leistungsverbesserung unter Creatinsupplementation haben. Des Weiteren wurden entsprechende Studien im Allgemeinen an (hoch) trainierten Probanden durchgeführt, und sind somit für den „Durchschnittsbürger“ nicht zwangsläufig valide [7].

Neben der Skelettmuskulatur beinhalten auch andere Gewebe des menschlichen Körpers Creatin – beispielsweise das Herz, Gehirn, die Leber, Nieren und die Hoden. Auch hier liegen keine Daten vor, ob und wie sich (langfristige) supplementierung von Creatin auswirkt [1,8,11].

Eine weitere Gefahr ist, dass freiverkäufliche Präparate nicht den Qualitätskontrollen für medizinische Produkte unterliegen, so dass Verunreinigungen mit eventueller toxischer Wirkung nicht ausgeschlossen werden können. Auch sind Wechselwirkungen mit anderen Supplementen und/oder Medikamenten scheinbar nicht bzw. nicht ausreichend untersucht [7].

Fazit:
Angesichts der mir bekannten Datenlage würde ich jedem empfehlen, sich gut zu überlegen, ob eine Creatinsupplementierung sinnvoll oder notwendig erscheint. Dies auch vor dem Hintergrund, dass ca. 30% der Athleten Non-Responder sein könnten [1]. Die so oft angepriesene „Unschädlichkeit“ von Creatinsupplementen sind, jedenfalls meines Wissens, nicht ausreichend belegt.

Eine angeregte Diskussion zu diesem Thema ist äußerst erwünscht.  Diskussion bitte hier.

Literatur:
[1] Calfee R., Fadale P. (2006). Popular ergogenic drugs and supplements in young athletes. Pediatrics; 117(3):e577-e589
[2] Maughan R.J., King D.S., Lea T. (2004). Dietary Supplements. Journal of Sports Sciences, 22:95-113
[3] http://www.muscle-corps.de/443-creatin- … lement.htm
[4] http://www.menshealth.de/fitness/muskel … .82529.htm
[5] http://www.dr-gumpert.de/html/kreatin.html
[6] http://www.muskelaufbau-tipps.de/fitnes … s/kreatin/
[7] European Commission (2000). Opinion of the Scientific Committee on Food
on safety aspects of creatine supplementation. http://ec.europa.eu/food/fs/sc/scf/out70_en.pdf
[8] König D., Berg A. (2007). Nahrungsergänzung und Substitution. In: Dickhuth H.-H., Mayer F., Röcker K. Berg A. (Hrsg.). Sportmedizin für Ärzte. Lehrbuch auf der Grundlage des Weiterbildungssystems der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP). S.507-511. Deutscher Ärzte-Verlag: Köln
[9] Lopez R.M., Casa D.J., McDermott B.P., Ganio M.S., Armstrong L.E., Maresh C.M. (2009). Does creatine supplementation hinder exercise heat tolerance or hydration status? A systematic review with meta-analyses. Journal of Athletic Training;44(2):215–223
[10] Ahrendt D.M. (2001). Ergogenic Aids: Counseling the Athlete. American Family Physician,63(5):913-922
[11] Horn M., Frantz S., Remkes H., Laser A., Urban B., Mettenleiter A., Schnackerz K., Neubauer S. (1998). Effects of chronic dietary creatine feeding on cardiac energy metabolism and on creatine content in heart, skeletal muscle, brain, liver and kidney. J Mol Cell Cardiol., 30(2):277-284.